9. Tag 🇦🇹

…meiner wunderbaren Radreise. Es regnet, zwar nur ein paar Tropfen, aber die fühlen sich nach den heißen Tagen wunderbar erfrischend an, machen aber auch das Bier dünner. Nun endlich ein Luftmassenwechsel, morgen wird die Fahrt nach Wien bzw. weiter östlich gut voran gehen.

Heute ging es mit leeren Magen, aber wenigstens einem Kaffee bereits um acht in Au an der Donau los. Kurz darauf traf ich auf ein Radlerpaar, sie sehr gesprächig, er eher hinterher fahrend. 10 km weiter ein SPAR-Supermarkt mit Bankomat. Somit für mich nur ein Weg, denn ich war gerade mal wieder pleite. Ja, ja, sagen jetzt manche, so kennt man ihn, so liebt man ihn. Mit einen reichhaltigen Frühstück im Rucksack ging es anschließend auf die Suche nach einen ruhigen Plätzle. Ruhig ja, von Kfz, aber es war ein typischer Radlertreff an der Donau, toll ausgebaut mit Sitzbänken im Schatten, Duschen und WC. Und die Plauderei begann und „kostete“ mich wertvolle Stunden meiner noch langen Reise. Doch deswegen bin ich ja unterwegs, um Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Das Pärchen war bald weg und neue Reisende kamen. Ein Ex-Polizist in Pension, der monatelang durch Europa radelte oder zu Fuß unterwegs war. Mit dem ich mich wunderbar unterhalten konnte und zeigte, wie intensiv man das Leben nach dem Berufsleben genießen konnte. Er war 70, überaus fit und aktiv in der Welt unterwegs. Und dann kam da so ein Exot angeradelt. Daniel aus Mexiko, unterhielt sich englisch sprechend mit anderen Radlern. Ich habe ihn erstmal nur heimlich von der Seite fotografiert.

Als es weiter ging interessierte sich keiner mehr für Daniel, aber ich fand ihn interessant und er war gesprächig. Anfangs war unsere Unterhaltung eher schleppend, aber nach einer Weile verstanden wir uns prima und ich erklärte ihm Geocaching. Gleich die nächste Dose wurde angesteuert und Daniel war begeistert.

Nun finde ich doch tatsächlich nicht mehr das Foto am Fisch.

Dafür dieses tolle Bild an Radlertreff.

Wahrscheinlich habe ich es mit der Kamera aufgenommen. Nach einer Weile Suchen in der höllischen Hitze des Tages zeigte ich ihm die Dose und er bekam glänzende Augen. Ich konnte ihm so alles gar nicht erklären, was es mit dem Spiel auf sich hat, aber bei jeden Stopp, den ich ausrief, fragte er nach ‚Cache?‘

Sein Rad war schon sehr auffällig, natürlich mit der mexikanischen Flagge dran und den vielen Taschen am Rahmen und den Gepäckträgern. Er flog nach Rom mit seinen Rad und fuhr nach Genua, die Riviera entlang, Spanien, Portugal, zurück über Frankreich, Belgien, Deutschland, Tschechien und wollte über Wien nach Budapest. Wie weiter konnte er mir auch noch nicht sagen. Nun, jedenfalls ging es ziemlich ruhig voran. Ich wollte ihn auch nicht verprellen und einfach mit höheren Tempo davon ziehen. So blieben wir bis zum Abend zusammen, radelten gemütlich, waren etwas essen, ich ging in der Donau baden, er nicht, und fanden so manche Dose.

Der Weg war ausgesprochen ’nice‘, oft schattig und flach. Nur hatte ich bereits beizeiten bemerkt, dass sich das Wetter änderte. Es wurde drückend schwül, über den Bergen quollen dicke Gewitterwolken und noch weiter in der Ferne machte sich eine Front bemerkbar. Ich erklärte es Daniel so gut es ging und er fuhr in meinen Windschatten bei einen 28er Schnitt bis Ybbs mit. Hier war wieder ein Wasserkraftwerk, bereits das sechste für meinen 355 km Multi von Passau nach Bratislava.

Und hier auf dem Staudamm an der Schleuse trennten sich unsere Wege. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging jeder seiner Wege. Natürlich haben wir noch die Telefonnummern ausgetauscht und ich gab ihm die URL für diesen Blog.

Nun war ich in Ybbs und es war bereits 17.30 Uhr. Das hieß etwas zu essen für den nächsten Morgen zu besorgen und den nächsten Campingplatz zu finden. Ybbs ist sicher auch schön, aber das aufziehende Gewitter ließ mich mit schnellen Beinen weiter Richtung Osten ziehen. Nun aber linksseitig.

Kloster Ybbs, mal so eine kleine Ansicht.

Mit fürchterlichen Rückenwind bin ich dem Unwetter davon gezogen und habe die 20 km bis zum Zeltplatz in rekordverdächtiger Zeit gegen 19 Uhr erreicht.

Da steht es nun, mein kleines täglich aufzubauendes Schlafdomizil. Pitschnass war es von der letzten Nacht, aber es regnete eh, wenn auch nicht viel. Der Platz ist okay, zwei weitere Radlerpaare sind hier. Und für morgen ein gutes Frühstück.

So einen Blick habe ich auf die Donau, die hier schon gut und gerne 300 m breit ist. Heute waren es 119 km, das heißt, ich habe bereits 999 km absolviert. Mal sehen, ob ich den einen Kilometer noch irgendwo finde. Ein schöner Tag neigt sich dem Ende und ich wünsche euch allen eine gute Nacht.

4 Kommentare zu „9. Tag 🇦🇹

  1. Hallo Steffen, es war schön mit Dir und Daniel das Bier zu trinken. Den Donauradweg zu machen und immer wieder nette Menschen zu treffen, ist für mich ein unvergessliches Erlebnis. Und als es für uns dann von Wien nach Hause ging, war ich schon ein bisschen neidisch auf den Leipziger und den Mexikaner, dass sie weiterfahren konnten. Ich wünsche Dir noch eine tolle Reise. Herzliche Grüße aus Stuttgart Alexandra & Dieter (gerade noch beim Bang Your Head in Balingen 🙂

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    1. Hallo Alexandra, ich freue mich sehr, dass Du hier meinen Blog folgst. Momentan bin ich noch in Serbien und wollte heute am Beginn des Eisernen Tor sein. Aber das schlechte Wetter macht mir einen Strich durch die Rechnung. Mit Daniel, dem Mexikaner bin ich bis Ybbs gefahren. Wir haben noch Kontakt, er ist zur Zeit in Sofia. Leider muss ich mich von meinem ursprünglichen Ziel Odessa verabschieden. Habe meinen Reisepass noch nicht wieder bekommen. Nun ist das Donaudelta, bzw. Constanze das Ziel. Liebe Grüße aus Serbien sendet euch Steffen

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  2. Lieber Steffen,du hast ja eine Ausdauer, aber dir gefällt es so und das ist gut so. Liebe Grüße von Omi Helga

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  3. Das klingt mal wieder nach einem schönen ereignisreichen Tag 🙂 Und vielleicht hast du nun einen neuen Muggel mit Geocaching infiziert? Ich hoffe er hält dich auf dem Laufenden.
    Nun schlaf gut und ich hoffe, dass es für dich morgen trocken und mit etwas angenehmeren Temperaturen weiter so gut vorwärts geht 😉

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